Naturheilpraktiker immer mehr gesucht

Die Schweiz setzt neben der klassischen Allgemeinmedizin auch auf Naturheilpraktiker und hat die früher sehr heterogenen Ausbildungsmöglichkeiten für diesen Beruf bereits im Jahr 2015 harmonisiert, in dem das SBFI (Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation) die Anforderungen an ein Naturheilpraktiker-Diplom auf hohem Niveau vereinheitlichte. Die rund 2.500 Naturheilpraktiker in den Kantonen als Fachpersonen im Gesundheitswesen erfreuen sich großer Nachfrage. Immer mehr Schweizer suchen entweder in Ergänzung zu einem Arztbesuch oder statt eines Arztbesuchs eine Lösung gesundheitlicher Fragestellungen auf naturheilpraktische Art.

Was macht ein Naturheilpraktiker?

Naturheilpraktiker sehen den Menschen in einem ganzheitlichen Ansatz und versuchen im alternativmedizinischem System Heilmittel aus der Naturheilkunde in Anwendung zu bringen. Dabei bauen Sie z.B. auf:

  • Ayurveda-Medizin
  • Homöopathie
  • Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)
  • Traditionelle Europäische Naturheilkunde

Eine große Rolle in der Naturheilpraxis spielt auch die Ernährungslehre und die Akupunktur. Der Einsatz homöopathischer Arzneimittel rundet die Praxis der Naturheilpraktiker ab. Auch überlieferte Verfahren wie eine Darmreinigung, das Schröpfen oder der Einsatz von Blutegeln kann ein Teil der Tätigkeit in der Naturheilpraxis sein.

In der Naturheilpraxis werden gerne homöopathische Heilmittel eingesetzt

Wie lange dauert eine Ausbildung?

Für eine Ausbildung zum Naturheilpraktiker sollte man 4 bis 5 Jahre ansetzen, die man braucht, um ausreichend Grundlagen für den Beruf kennengelernt zu haben. So lange dauern auch die am Markt angebotenen Kurse und Lehrgänge, die mit einem Diplom abschließen. Nach 3 Jahren hat man meist die Voraussetzungen erreicht, um auch eine Krankenkassenzulassung und eine kantonale Praxiszulassung zu bekommen. Dabei werden auch schulmedizinische Kenntnisse vermittelt, wie z.B.:

  • Anatomie/Physiologie
  • Pathologie – Lehre von den Krankheiten
  • Pharmakologie
  • Hygiene
  • Erste Hilfe / Notfallmassnahmen
  • Medizinische Anamnese und Diagnostik
  • Psychologie und Gesprächsführung
  • Clinical Reasoning

Einen ganz breiten Raum innerhalb der Ausbildung nehmen aber klassische Felder aus der Naturmedizin/Komplementärmedizin ein, bei der europäischen Naturheilpraxis z.B.:

  • Pflanzenheilkunde
  • Diätetik / Ernährungsberatung
  • Ernährungsmedizinischer Zungenbefund
  • Hydro- und Thermotherapie (auch: Kneipp)
  • Ausleitungsverfahren
  • Massage/Fussreflexzonenmassage
  • Lymphdrainagetherapie / Kompressionstherapie
  • Grundlagen Elektrotherapie
  • Orthomolekulare Medizin
  • Segmenttherapie

Nach der Ausbildung organisieren sich Ausübende des Berufs häufig in der OdA AM, der Organisation der Arbeitswelt Alternativmedizin Schweiz. Die meist sehr teure Ausbildung kann man sich in der Schweiz im Rahmen einer Subjektfinanzierung staatlich fördern lassen.

Naturheilpraktiker setzen auch Fussreflexzonenmassage ein

Was bedeutet der häufig gebrauchte Zusatz „TEN“?

Der häufig bei Naturheilpraxen gefundene Zusatz „TEN“ bedeutet nichts anderes, als dass der Praxisinhaber sich auf die Ausrichtung der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde spezialisiert hat. Hierin sind die meist über Jahrhunderte überlieferten Heilverfahren aus Europa gebündelt.

Bereits in der Ausbildung ein hoher Praxisanteil

Wer in der Schweiz Naturheilpraktiker werden will, kann dies nicht ausschließlich durch theoretischen Unterricht werden, sondern muss auch – unter Anleitung eines zugelassenen Mentors – 400 Behandlungsstunden mit direktem Patientenbezug vorweisen. So ist gewährleistet, dass auch praktisch anwendbares Wissen – mit direktem Patientenfeedback – in die Ausbildung einfliesst.

Hoher Standard in der Naturheilpraxis in der Schweiz

Der Standard in der Naturheilpraxis in der Schweiz gilt international als sehr hoch. Selbst der Deutsche Bundestag hat sich – um auch in Deutschland das Berufsbild einheitlich zu regeln – intensiv mit dem hohen Ausbildungslevel in der Schweiz beschäftigt, wie der dortige Wissenschaftliche Dienst bestätigt.