
Temporärarbeit erweist sich als entscheidender Wirtschaftsmotor in der Schweiz, der oft unterschätzt wird. Tatsächlich zeigen aktuelle Daten, dass 42% der Temporärarbeitenden innerhalb eines Jahres eine Festanstellung finden, wobei ein Drittel dieser Arbeitnehmer direkt aus der Arbeitslosigkeit kommt.
In führenden Unternehmen weltweit hat die flexible Arbeit bereits einen festen Platz – bei Forbes-2000-Unternehmen liegt der Anteil flexibler Arbeitskräfte bei über 20%, wovon etwa die Hälfte auf den Personalverleih entfällt. Insbesondere in der Schweiz hilft Temporärarbeit Unternehmen, konjunkturelle Schwankungen zu bewältigen und auf den Fachkräftemangel zu reagieren. Darüber hinaus trägt sie zur gesellschaftlichen Stabilität bei, indem sie die Arbeitslosigkeit niedrig hält und hochqualifizierten Fachkräften ermöglicht, ihre Karriere flexibel zu gestalten.
In diesem Artikel beleuchten wir die vielfältigen Aspekte der Temporärarbeit in der Schweiz, ihre wirtschaftliche Bedeutung, die Vorteile für Unternehmen und Arbeitnehmende sowie die potenziellen Risiken einer Überregulierung.
Temporärarbeit als Standortvorteil für die Schweiz
Der flexible Arbeitsmarkt zählt zu den grössten Standortvorteilen der Schweiz im internationalen Wettbewerb. Besonders die Temporärarbeit spielt dabei eine entscheidende Rolle. Sie ermöglicht nicht nur höhere Erwerbsquoten als in vielen Nachbarländern, sondern fungiert auch als wichtiger Anziehungspunkt für internationale Investitionen.
Flexibilität als Investitionsfaktor für internationale Unternehmen
Grosse internationale Konzerne suchen gezielt nach Standorten, die ihnen personelle Flexibilität bieten. Eine Befragung der Forbes-2000-Unternehmen belegt dies eindrucksvoll: Bei diesen Unternehmen liegt der Anteil flexibler Arbeitskräfte bei über 20 Prozent, wobei etwa die Hälfte davon auf den Personalverleih entfällt. Diese Zahlen zeigen, dass Flexibilität kein Randphänomen ist, sondern ein zentrales strategisches Element moderner Unternehmensführung.
Die Schweiz profitiert von diesem Trend erheblich. Durch ihr gut reguliertes System der Temporärarbeit bietet sie internationalen Unternehmen genau die Flexibilität, die sie für ihre Investitionsentscheidungen benötigen. Diese Attraktivität wird durch weitere Standortvorteile wie politische Stabilität und qualifizierte Arbeitskräfte verstärkt.
Allerdings steht dieser Standortvorteil unter Druck. Politische Bestrebungen, die Temporärarbeit einzuschränken – etwa durch Quoten oder Verbote – könnten die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz empfindlich schwächen. Stattdessen wäre es sinnvoller, bestehende Regelungen zu modernisieren, beispielsweise durch die Digitalisierung des Vertragsabschlusses oder flexiblere Arbeitszeitmodelle.
Temporärarbeit und die Attraktivität des Schweizer Arbeitsmarkts
Der Schweizer Arbeitsmarkt gilt international als Erfolgsmodell – nicht zuletzt wegen seiner niedrigen Arbeitslosenquote. Die Temporärarbeit trägt wesentlich zu diesem Erfolg bei, indem sie den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtert. Für viele dient sie als Sprungbrett: Nach rund einem Jahr finden bereits 42 Prozent der Temporärarbeitenden, die eine Festanstellung anstreben, die gewünschte Position.
Die Motive für Temporärarbeit haben sich dabei in den letzten Jahren gewandelt. Während einige sie als Überbrückung nutzen, entscheiden sich andere bewusst für diese flexible Arbeitsform. Laut einer Umfrage nennen knapp 40 Prozent der Temporärarbeitenden als Hauptmotiv ein “Bedürfnis nach Abwechslung und die freie Wahl von Zeitpunkt und Dauer ihres Arbeitsverhältnisses”.
Besonders in Zeiten des Fachkräftemangels erfüllt die Temporärarbeit drei wichtige Funktionen:
- Effizienter Arbeitsmarkt: Personaldienstleister vermitteln schneller zwischen Arbeitgebern und Stellensuchenden, was Suchkosten auf beiden Seiten reduziert.
- Integration und Aufstieg: Ein Drittel der Temporärarbeitenden, die eine Festanstellung anstreben, kommt direkt aus der Arbeitslosigkeit. Somit dient die Temporärarbeit als wirksame Brücke zurück ins Berufsleben.
- Soziale Absicherung: Im Gegensatz zu anderen flexiblen Arbeitsformen bietet die Temporärarbeit umfassenden sozialen Schutz – von Krankentaggeld bis zur Pensionskasse ab der ersten Einsatzstunde.
Darüber hinaus stärkt die Temporärarbeit die internationale Attraktivität des Schweizer Arbeitsmarkts. Dank des starken Frankens und der wirtschaftlichen Stabilität bleibt die Schweiz für qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland interessant. Personaldienstleister fungieren hierbei als wichtige Brückenbauer, die nicht nur bei der Vermittlung helfen, sondern oft auch praktische Unterstützung leisten – von der Wohnungssuche bis zu Behördengängen.
Die empirischen Daten zeigen ausserdem einen interessanten Zusammenhang: Je höher der Anteil der Temporärarbeit in einem Land, desto geringer ist die Schattenwirtschaft. Dies unterstreicht, dass gut regulierte Temporärarbeit nicht nur wirtschaftliche Flexibilität, sondern auch Transparenz und Fairness im Arbeitsmarkt fördert.
Wie Unternehmen von Temporärarbeit profitieren
Für Schweizer Unternehmen stellt die Temporärarbeit weit mehr als nur eine Notlösung dar – sie ist ein strategisches Instrument mit vielfältigen Vorteilen. Die Zahlen sprechen für sich: 41 Prozent der Unternehmen beschäftigen derzeit Temporärarbeitende, während weitere 19 Prozent dies in der Vergangenheit getan haben. Diese breite Akzeptanz basiert auf handfesten wirtschaftlichen Vorteilen, die ich nachfolgend genauer beleuchte.
Schnelle Reaktion auf konjunkturelle Schwankungen
Im ständigen Auf und Ab der Wirtschaft benötigen Unternehmen einen flexiblen Personalbestand, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Temporärarbeit funktioniert hier nach dem Prinzip “Last in, first out” – Temporärmitarbeitende werden bei steigender Nachfrage als Letzte eingestellt und bei sinkender Nachfrage als Erste freigesetzt. Diese Anpassungsfähigkeit hilft Unternehmen, wirtschaftliche Krisen zu überstehen und gleichzeitig ihre Kernbelegschaft zu halten.Infos zum Artikel https://www.srf.ch/news/wirtschaft/erholung-in-sicht-temporaerangestellte-laeuten-trendwende-in-der-wirtschaft-ein
Besonders bemerkenswert: Entgegen mancher Befürchtungen werden Temporärarbeitende nicht einfach “entsorgt”, wenn es wirtschaftlich schwierig wird. Niederländische Studien zeigen, dass ihre Chance, temporär angestellt zu bleiben, kaum zwischen Boom- und Rezessionsphasen variiert. Allerdings steigen die Chancen auf eine Festanstellung während wirtschaftlicher Hochphasen deutlich an.
Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie dank Temporärarbeit:
- Konjunkturelle Schwankungen abfedern können
- Fortbestehen und Zukunftsinvestitionen auch in schwierigen Zeiten sichern
- Arbeitsplätze ihrer Kernbelegschaft langfristig schützen können
Abdeckung saisonaler Auftragsspitzen
Die Nachfrage kann sich innerhalb kurzer Zeit drastisch verändern – sei es durch saisonale Schwankungen, unerwartete Marktbewegungen oder veränderte Kundenanforderungen. Ohne flexible Beschäftigungsformen drohen entweder kostspielige Überkapazitäten in ruhigen Zeiten oder fatale Personalengpässe bei Hochkonjunktur.
“Wer Temporärarbeit in Anspruch nimmt, tut dies aus unterschiedlichen Gründen: saisonale Schwankungen, Auftragsspitzen, Erkrankungen, Urlaubszeiten des Stammpersonals und andere unvorhergesehene wirtschaftliche Entwicklungen”, bestätigt auch die Erfahrung von Personaldienstleistern wie Planova Human Capital AG.
Darüber hinaus ermöglicht der Einsatz von Temporärarbeitenden, kurzfristige Aufträge anzunehmen, die sonst nicht realisierbar wären. Dies steigert nicht nur den Umsatz, sondern stärkt auch die Kundenbindung durch höhere Flexibilität.
Reduktion von Fixkosten durch flexible Personallösungen
Ein oft unterschätzter Vorteil der Temporärarbeit liegt in der Kostenstruktur. Über Personaldienstleister verliehene Temporärmitarbeitende sind kosteneffektiver als fest angestellte Mitarbeitende, da der Verleiher die gesamte Lohn- und Gehaltsabrechnung übernimmt.
Zudem entfallen zahlreiche versteckte Kosten:
Die Suche nach neuem Personal bindet normalerweise eigene Arbeitskräfte. Stellenanzeigen und Bewerbungsgespräche kosten Zeit, Geld und weitere Ressourcen. All diese Aufwände werden durch die Zusammenarbeit mit Personaldienstleistern vermieden. So können sich Unternehmen auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, während die Personalexperten passende Kandidaten identifizieren.
Ein weiterer finanzieller Vorteil: Die Personalkosten werden für das Unternehmen übersichtlich zusammengestellt und fakturiert, was die Budgetplanung vereinfacht. Insbesondere für projektbezogene Arbeiten bietet dies eine transparente Kostenkontrolle.
Besonders wertvoll ist auch der Zugang zu einem breiten Bewerberpool. Personaldienstleister wie Planova verfügen über einen umfassenden Mitarbeiterpool mit verschiedensten Profilen. Dies ermöglicht es Unternehmen, selbst für hochspezialisierte Positionen schnell qualifizierte Fachkräfte zu finden – ein entscheidender Vorteil im zunehmenden Fachkräftemangel.

Temporärarbeit als Lösung für den Fachkräftemangel
Der Fachkräftemangel zählt zu den drängendsten Herausforderungen für Schweizer Unternehmen – eine Situation, bei der Temporärarbeit zunehmend als strategische Lösung an Bedeutung gewinnt. Tatsächlich hatten 78 Prozent der Unternehmen in den letzten Jahren mindestens teilweise Mühe, ihre offenen Stellen zu besetzen, weil sie nicht die richtigen Arbeitskräfte fanden. Besonders berufserfahrene Fachkräfte und Kaderpersonen werden händeringend gesucht.
Effiziente Vermittlung durch Personaldienstleister wie Planova
In Zeiten des Fachkräftemangels gewinnen Personaldienstleister als strategische Partner zunehmend an Bedeutung. Mittlerweile haben 60 Prozent der Schweizer Unternehmen mit mehr als 5 Mitarbeitenden Temporärarbeit bereits genutzt. Diese breite Akzeptanz basiert auf konkreten Vorteilen: Personaldienstleister wie Planova verfügen über umfangreiche Bewerberdatenbanken und sind meist als erste informiert, wenn temporär und kurzfristig Personal benötigt wird.
Die Suche nach qualifizierten Arbeitskräften bindet normalerweise eigene Ressourcen. Stellenanzeigen schalten, Bewerbungen sichten und Gespräche führen – all diese Aufwände werden durch die Zusammenarbeit mit Personaldienstleistern reduziert. “Wir finden dank grossem Bewerber-Pool in kürzester Zeit geeignete Flexworker für Ihr Unternehmen”, beschreibt etwa ein Personalvermittler seinen Service.
Ein weiterer wichtiger Aspekt: Während 83 Prozent der Unternehmen die Rekrutierung von festangestellten Fachkräften mit Berufserfahrung als schwierig einschätzen, sind es bei Temporärangestellten nur 59 Prozent. Diese Differenz zeigt, dass der Zugang zu Fachkräften über Temporärarbeit oft einfacher ist.
Zugang zu qualifizierten Fachkräften durch temporäre Einsätze
Entgegen weitverbreiteter Annahmen ist Temporärarbeit längst nicht mehr auf Hilfstätigkeiten beschränkt. Gemäss einer umfassenden Befragung sind 48 Prozent der Temporärarbeitenden Fachkräfte. Zählt man Akademiker und Kader dazu, liegt der Anteil sogar bei 57 Prozent. Bemerkenswert ist ausserdem, dass aufgrund des allgemeinen Arbeitskräftemangels inzwischen auch Hilfskräfte schwer zu rekrutieren sind.
Insbesondere für folgende Situationen greifen Unternehmen auf Temporärarbeit zurück:
- Akuter Personalbedarf (42 Prozent der Unternehmen)
- Projektbezogene Einsätze (35 Prozent)
- Fehlende interne Fachexpertise (15 Prozent)
Besonders bemerkenswert: 62 Prozent der Unternehmen haben schon einmal Temporärmitarbeitende eingestellt, weil sie keine qualifizierte Person für eine Festanstellung finden konnten. Darüber hinaus übernehmen fast drei Viertel der Unternehmen Temporärangestellte gelegentlich oder regelmässig in ihre feste Belegschaft.
Zudem steigt die Zahl hochqualifizierter Fachkräfte, die gezielt temporäre Einsätze suchen. Diese “Flexworker” nutzen die starke Nachfrage in Mangelberufen, hochspezialisierten Sektoren oder projektbezogenen Bereichen. Für Unternehmen bedeutet dies den Zugang zu Fachkompetenz, die anders kaum zu gewinnen wäre.
Förderung von Wiedereinsteigern und Quereinsteigern
Temporärarbeit erweist sich als wirksames Instrument zur Integration von Wiedereinsteigern in den Arbeitsmarkt. Jeder zweite Temporärarbeitende auf Feststellensuche hat diese innerhalb von 24 Monaten nach Beginn seines ersten Einsatzes gefunden. Bemerkenswert ist ausserdem, dass gut die Hälfte der ehemaligen Temporärarbeitenden, die eine Feststelle haben, bei einem ihrer früheren Einsatzbetriebe angestellt sind.
Temporärarbeit bietet insbesondere für Berufsrückkehrer nach einer familienbedingten Pause wichtige Vorteile. In einem zunehmend dynamischen Arbeitsmarkt ermöglicht sie einen sanften Wiedereinstieg mit flexiblen Arbeitszeiten. Gleichzeitig können wertvolle Berufserfahrungen gesammelt und Qualifikationen aufgefrischt werden.
Allerdings werden Wiedereinsteigerinnen von staatlichen Institutionen oft nicht als Gruppe mit speziellen Bedürfnissen definiert, die gezielte Massnahmen benötigen würden. Hier leisten Personaldienstleister wichtige Unterstützung: Sie übernehmen nicht nur die Stellensuche, sondern beraten bei der gesetzeskonformen Anmeldung, Fragen zu Sicherheit und Vorsorge sowie der Planung von Weiterbildungen.
Auch für Quereinsteiger dient Temporärarbeit als Karrieresprungbrett. “Temporärarbeit kann insbesondere für Berufseinsteiger, Quereinsteiger sowie ausländisches und branchenfremdes Personal ein Karrieresprungbrett sein”, bestätigt eine Analyse. In Bereichen mit besonders ausgeprägtem Fachkräftemangel, wie etwa der Pflege, nutzen Unternehmen dieses Modell gezielt, um Personal in der Branche zu halten und neue Mitarbeitende zu gewinnen.
Gesellschaftliche Wirkung: Integration und Aufstieg
Jenseits der wirtschaftlichen Vorteile entfaltet die Temporärarbeit eine bemerkenswerte gesellschaftliche Wirkung. Als Integrationsmotor im Schweizer Arbeitsmarkt trägt sie massgeblich zur sozialen Stabilität bei und bietet Menschen verschiedenster Hintergründe neue Perspektiven.
Temporärarbeit als Brücke aus der Arbeitslosigkeit
Die Zahlen sprechen für sich: Während vor Beginn der Temporärarbeit 34 Prozent der Betroffenen arbeitslos waren, sinkt dieser Wert nach einem Jahr auf nur noch 12 Prozent. Tatsächlich haben nach etwa einem Jahr bereits 42 Prozent der Temporärarbeitenden eine Festanstellung gefunden, insgesamt sind 84 Prozent in irgendeiner Form im Arbeitsmarkt integriert.
Besonders Menschen mit niedrigerem Bildungsstand profitieren von diesem Modell. Fast 60 Prozent der heute festangestellten Personen mit geringer formaler Bildung waren zuvor temporär im selben Betrieb beschäftigt. Dank niedriger Eintrittsbarrieren und dem breiten Netzwerk der Personaldienstleister können sie ihre Arbeitserfahrung erhalten und neue Kompetenzen erwerben.
Soziale Absicherung und Weiterbildung ab dem ersten Tag
Im Gegensatz zu anderen flexiblen Arbeitsformen bietet die Temporärarbeit in der Schweiz umfassenden sozialen Schutz. Temporärmitarbeitende sind unter dem Gesamtarbeitsvertrag Personalverleih (GAVP) sofort einer Pensionskasse unterstellt, sobald ihr Einsatz mehr als 13 Wochen dauert oder zu Beginn als unbefristet vereinbart wird. Darüber hinaus sind Temporärkräfte mit unterstützungspflichtigen Kindern von Beginn des Arbeitsverhältnisses an versichert.
Ebenso bedeutsam ist der durch den GAV geäufnete Weiterbildungsfonds “temptraining”, der Temporärarbeitende mit grosszügigen Leistungen unterstützt. Er übernimmt bis zu 4.000 CHF der Kosten für eine Weiterbildung in einer anerkannten Ausbildungseinrichtung. Dieser Fonds ermöglicht es, aus dem Angebot von über 1.000 Bildungsinstitutionen in der Schweiz auszuwählen.
Beitrag zur politischen und sozialen Stabilität
Die niedrige Arbeitslosenquote der Schweiz ist ein wichtiger Faktor für die politische und soziale Stabilität des Landes. Temporärarbeit trägt wesentlich dazu bei, indem sie die Integration in den Arbeitsmarkt fördert. Insbesondere für Wiedereinsteiger, ältere Arbeitnehmende und Menschen mit Migrationshintergrund bietet sie einen Weg zurück ins Erwerbsleben.
Allerdings ist wissenschaftlich umstritten, ob Temporärarbeit immer ein Sprungbrett in eine Dauerstelle darstellt. Einige Studien weisen auf mögliche “Lock-in”-Effekte hin, bei denen Temporärbeschäftigte in dieser Arbeitsform verbleiben. Dennoch belegt die hohe Zufriedenheit von über 80 Prozent der Temporärarbeitenden, dass diese Beschäftigungsform ihre Bedürfnisse erfüllt.
Die Temporärarbeit bildet somit für viele Menschen eine Balance zwischen Flexibilität und sozialer Absicherung – ein Gleichgewicht, das in anderen flexiblen Arbeitsformen oft fehlt. Dadurch leistet sie einen wichtigen Beitrag zur sozialen Integration und letztlich zur Stabilität der Schweizer Gesellschaft.
Risiken durch Überregulierung und politische Debatten
Trotz ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung steht die Temporärarbeit im Fokus politischer Debatten und möglicher neuer Regulierungen. Aktuell werden in der Schweiz vier zusätzliche Regulierungen diskutiert, die erhebliche Auswirkungen haben könnten.
Geplante Einschränkungen und ihre wirtschaftlichen Folgen
Die vorgeschlagenen Regulierungen umfassen die Übernahme von EU-Recht, Einschränkungen im öffentlichen Beschaffungswesen und im Gesundheitswesen sowie die Begrenzung von Temporäreinsätzen. Eine Regulierungsfolgeabschätzung von Swiss Economics zeigt jedoch, dass diese Massnahmen “keinen Mehrwert” bringen würden. Stattdessen könnten sie unbeabsichtigte volkswirtschaftliche Schäden verursachen.
Besonders problematisch: Eine Einschränkung der Temporärarbeit würde die Flexibilität von Unternehmen und Arbeitnehmenden beeinträchtigen, ohne die Arbeitsbedingungen spürbar zu verbessern. Zudem könnten weniger gut regulierte, flexible Arbeitsformen wie (Schein-)Selbstständigkeit, befristete Anstellungen und Arbeit auf Abruf zunehmen. Im schlimmsten Fall würden Arbeitslosigkeit und Schwarzarbeit steigen.
Warum Selbstregulierung effektiver sein kann
Swiss Economics konnte keinen Marktversagen im Personalverleih feststellen, der zusätzliche staatliche Eingriffe rechtfertigen würde. Sinnvollere und aus gesamtwirtschaftlicher Sicht effizientere Massnahmen wären eine strengere Selbstregulierung der Personalverleiher und gezielte Schulungen des Personals.
Tatsächlich arbeitet der Branchenverband swissstaffing bereits an der Weiterentwicklung des eigenen Qualitätslabels. Verbesserungen sollen insbesondere in den Bereichen Ausbildung des internen Personals und Arbeitssicherheit erzielt werden. Darüber hinaus wird geprüft, wie zentrale Mindeststandards in Form einer Selbstregulierung branchenweit durchgesetzt werden können.

Die Rolle von GAV und Sozialpartnerschaft
Der Gesamtarbeitsvertrag Personalverleih (GAVP) ist mit rund 400.000 unterstellten Arbeitnehmenden der grösste GAV in der Schweiz. Dieses ausgeklügelte Regelwerk sorgt bereits heute für die Balance zwischen sozialer Sicherheit für Mitarbeitende und Flexibilität für Unternehmen.
Im europapolitischen Kontext leistet der seit 2012 existierende GAVP dank der Allgemeinverbindlicherklärung einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Schweizer Lohn- und Arbeitsbedingungen. Er enthält moderne Regelungen zur Weiterbildung, beruflichen Vorsorge sowie eine Branchenlösung für die Krankentaggeldversicherung.
Für die Umsetzung sorgt der Verein Paritätischer Vollzug (PVP), der die Einhaltung der Vorgaben engmaschig kontrolliert. Dadurch spielt der GAVP eine Vorreiterrolle für die sozialpartnerschaftliche Gestaltung der sich flexibilisierenden Arbeitswelt.
Schlussfolgerung
Fazit: Temporärarbeit als unverzichtbarer Wirtschaftspfeiler
Temporärarbeit erweist sich als unverzichtbarer Pfeiler der Schweizer Wirtschaft, dessen Bedeutung wir nicht unterschätzen sollten. Die Zahlen sprechen für sich: 42 Prozent der Temporärarbeitenden finden innerhalb eines Jahres eine Festanstellung, während gleichzeitig Unternehmen dank dieser Arbeitsform konjunkturelle Schwankungen abfedern können.
Besonders bemerkenswert ist die doppelte Wirkung der Temporärarbeit. Einerseits hilft sie Unternehmen, flexibel zu bleiben und Fachkräftemangel zu bewältigen. Andererseits dient sie als wirksames Sprungbrett in den Arbeitsmarkt, insbesondere für Arbeitslose, Wiedereinsteiger und Quereinsteiger. Diese Balance zwischen wirtschaftlichen und sozialen Vorteilen macht die Temporärarbeit zu einem echten Erfolgsmodell.
Allerdings steht dieses Erfolgsmodell unter Druck. Die aktuellen politischen Bestrebungen zur stärkeren Regulierung könnten unbeabsichtigte negative Folgen haben. Statt zusätzlicher staatlicher Eingriffe wäre eine Stärkung der bewährten Selbstregulierung durch den Gesamtarbeitsvertrag Personalverleih sinnvoller.
Wir müssen daher die Temporärarbeit als das anerkennen, was sie ist: ein entscheidender Standortvorteil für die Schweiz im internationalen Wettbewerb. Unternehmen, die auf Temporärarbeit setzen, sichern sich nicht nur Flexibilität, sondern tragen auch zur gesellschaftlichen Stabilität bei.
Die Zukunft wird zeigen, ob die Schweiz diesen Standortvorteil klug nutzen wird. Sicher scheint jedoch: Die Temporärarbeit wird weiterhin eine zentrale Rolle spielen – sowohl für Unternehmen, die im globalen Wettbewerb bestehen müssen, als auch für Arbeitnehmende, die flexible und sichere Arbeitsverhältnisse suchen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt dabei in einer ausgewogenen Balance zwischen notwendiger Regulierung und wirtschaftlicher Flexibilität.
FAQs
Q1. Wie lange kann man in der Schweiz als Temporärmitarbeiter beschäftigt sein? Es gibt keine gesetzliche Höchstdauer für Temporäreinsätze in der Schweiz. Die Dauer hängt vom Bedarf des Unternehmens und der Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer, Personalverleiher und Einsatzbetrieb ab.
Q2. Welche Vorteile bietet Temporärarbeit für Arbeitssuchende? Temporärarbeit dient oft als Sprungbrett in eine Festanstellung. 42% der Temporärarbeitenden finden innerhalb eines Jahres eine feste Stelle. Zudem ermöglicht sie den Erwerb neuer Fähigkeiten, Flexibilität und einen einfacheren Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt.
Q3. Wie sind Temporärarbeitende in der Schweiz sozial abgesichert? Temporärarbeitende in der Schweiz geniessen umfassenden sozialen Schutz. Sie sind ab dem ersten Tag krankenversichert, haben Anspruch auf Pensionskasse bei längeren Einsätzen und profitieren von einem Weiterbildungsfonds, der bis zu 4.000 CHF für Fortbildungen übernimmt.
Q4. Welche Rolle spielt Temporärarbeit für Unternehmen in der Schweiz? Temporärarbeit ermöglicht Unternehmen, flexibel auf Auftragsschwankungen zu reagieren, Fachkräftemangel zu bewältigen und Kosten zu optimieren. 41% der Schweizer Unternehmen nutzen Temporärarbeit, um schnell qualifiziertes Personal zu finden und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.
Q5. Wie wirkt sich Temporärarbeit auf die Schweizer Wirtschaft aus? Temporärarbeit ist ein wichtiger Wirtschaftsmotor in der Schweiz. Sie trägt zur niedrigen Arbeitslosenquote bei, erhöht die Flexibilität des Arbeitsmarktes und macht den Standort Schweiz für internationale Unternehmen attraktiv. Zudem fördert sie die Integration verschiedener Gruppen in den Arbeitsmarkt.
